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Aktuelles


04.05.2021

Pressemitteilung zum Jahresgutachten des Sachverständigenrat für Integration und Migration:

Normalfall Diversität? Wie das Einwanderungsland Deutschland mit Vielfalt umgeht

Damit aus Herkunftsunterschieden keine sozialen und wirtschaftlichen Ungleichheiten werden, muss in Deutschland integrationspolitisch nachgesteuert werden. In seinem diesjährigen Jahresgutachten gibt der Sachverständigenrat für Integration und Migration (SVR) Empfehlungen, wie politische Partizipation gestärkt und Teilhabe am Arbeitsmarkt in Deutschland verbessert werden kann.

Berlin, 4. Mai 2021. Anlässlich der anstehenden Bundestagswahl stellt sich die Frage, wie in einer Gesellschaft, die unter anderem durch Migration vielfältiger geworden ist, Chancengleichheit und politische Teilhabe besser realisiert werden können. „Wir wollten wissen, wie diese Vielfalt in Kernbereichen des gesellschaftlichen Lebens in Deutschland gehandhabt wird und wie die Bevölkerung zu Diversität steht. Denn obwohl viele Menschen unabhängig von ihrer Herkunft an der Weiterentwicklung der deutschen Gesellschaft mitwirken, gibt es bei der Ausübung von Teilhaberechten und -möglichkeiten unter anderem in Politik, Kultur und auf dem Arbeitsmarkt noch Anpassungsbedarf,“ sagt Prof. Dr. Petra Bendel, Vorsitzende des SVR, bei der Vorstellung des Jahresgutachtens 2021.

Politische Partizipation stärken
Die Empfehlung des Sachverständigenrats ist deshalb klar: Die Politik muss vermeiden, dass aus Herkunftsunterschieden Teilhabeungleichheiten werden. Im Wahljahr 2021 gelte dies gerade auch für den Bereich der politischen Partizipation. Denn: Der Wahlakt setzt die deutsche Staatsangehörigkeit und auf der kommunalen Ebene die EU-Bürgerschaft voraus.

Inwieweit Zugewanderte am politischen Prozess teilhaben können, hängt also entscheidend davon ab, ob sie sich einbürgern lassen können und wollen. Im Vergleich zu anderen Einwanderungsländern gehen in Deutschland allerdings nur wenige Ausländerinnen und Ausländer diesen Schritt. 2019 waren es zum Beispiel nur 2,5 Prozent derjenigen, die die Voraussetzungen dafür erfüllten. Die rechtlich gegebenen Einbürgerungsmöglichkeiten müssen in der Praxis deshalb mehr genutzt werden, so der SVR. „Viele Länder und Kommunen haben es vorgemacht – mit gezielten Informationskampagnen und der Einführung von festlichen Einbürgerungszeremonien. Damit erhöhen sie die Einbürgerungszahlen und zeigen den Neubürgerinnen und Neubürgern, dass sie zu Deutschland gehören,“ erklärt der stellvertretende Vorsitzende Prof. Dr. Daniel Thym.

Weiter fordert der SVR, dass Parteien stärker auf Menschen mit Zuwanderungsgeschichte eingehen und sie besser in Prozesse einbinden – zum Beispiel im Rahmen einer Kandidatur bei Wahlen. Zudem solle die Frage, ob Drittstaatsangehörige ein kommunales Wahlrecht erhalten könnten, verfassungsrechtlich geprüft werden. Über Generationen hinweg zeige sich eine Angleichung in Bezug auf politische Partizipation. „Auch wenn Zugewanderte der ersten Generation sich oft noch zurückhaltend an politischen Prozessen beteiligen, gestalten ihre Kinder die deutsche Gesellschaft bereits entscheidend mit“, stellt die Vorsitzende Petra Bendel fest.

Zugang herkunftsunabhängig gestalten
Auf dem Arbeitsmarkt ist der Anteil von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in den vergangenen Jahren gestiegen. Nicht zuletzt die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass in bestimmten Schlüsselbereichen – zum Beispiel dem Gesundheitssystem – auf die Mitarbeit von Beschäftigten mit Migrationshintergrund nicht mehr verzichtet werden kann. Mittlerweile haben ein Viertel aller Beschäftigten eine eigene oder familiäre Zuwanderungsgeschichte. „Trotzdem sind viele von ihnen nach wie vor benachteiligt, arbeiten in atypischen Beschäftigungsverhältnissen und erzielen im Durchschnitt ein geringeres Einkommen. Aufgrund ihrer Ausbildung oder komplizierten Anerkennungsverfahren können sie oft keine höheren formalen Qualifikationen nachweisen. Hinzu kommen Diskriminierung, fehlende berufliche und soziale Netzwerke oder unzureichende Sprachkenntnisse“, erklärt Bendel.

Während sich einige, vor allem international tätige privatwirtschaftliche Unternehmen um mehr Vielfalt innerhalb ihrer Belegschaft bemühen, hinke der öffentliche Dienst noch hinterher, stellt der SVR fest und empfiehlt mit Hospitationsangeboten, Praktika und entsprechenden Informationsangeboten gezielt Menschen mit Migrationshintergrund anzusprechen. Zudem sollten staatlich finanzierte Kultur- und Bildungseinrichtungen weiter geöffnet und zusätzliche Angebote aus Kultur und Zivilgesellschaft finanziell mehr unterstützt werden. So könne der Zugang herkunftsunabhängig gestaltet werden.

Rassismus eingehender untersuchen
Dass Deutschland ein Einwanderungsland ist, gilt inzwischen als allgemein akzeptiert, wie Langzeitdaten zeigen. „Zuwanderung wird verstärkt als Bereicherung empfunden. Ungleichbehandlung aufgrund von Herkunft lehnen die Menschen vermehrt ab“, fasst die Sachverständige Prof. Dr. Claudia Diehl die Untersuchungsergebnisse zusammen. Dennoch gibt es nach wie vor Diskriminierung bspw. auf dem Wohnungs- und Ausbildungsmarkt. Studien belegen dies. Und auch wenn klassisch rassistische Einstellungen – also die Vorstellung, dass bestimmte Menschen von Natur aus minderwertig seien – kaum mehr auf Zustimmung stoßen, finden subtilere rassistische Aussagen, die auf kulturelle Merkmale zurückgeführt werden, noch Akzeptanz. Hier stellt der SVR einen klaren Forschungs- und Handlungsbedarf fest. Der Staat solle zudem als Vorbild agieren und etwa durch Fortbildungen innerhalb seiner Institutionen stärker für Rassismus und Diskriminierung sensibilisieren.

Über den Sachverständigenrat
Der Sachverständigenrat für Integration und Migration ist ein unabhängiges und interdisziplinär besetztes Gremium der wissenschaftlichen Politikberatung. Mit seinen Gutachten soll das Gremium zur Urteilsbildung bei allen integrations- und migrationspolitisch verantwortlichen Instanzen sowie der Öffentlichkeit beitragen. Dem SVR gehören neun Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen und Forschungsrichtungen an: Prof. Dr. Petra Bendel (Vorsitzende), Prof. Dr. Daniel Thym (Stellvertretender Vorsitzender), Prof. Dr. Viola B. Georgi, Prof. Dr. Marc Helbling, Prof. Dr. Birgit Leyendecker, Prof. Dr. Steffen Mau, Prof. Panu Poutvaara, Ph.D., Prof. Dr. Sieglinde Rosenberger und Prof. Dr. Hans Vorländer.

Das SVR-Jahresgutachten 2021 finden Sie hier: https://www.svr-migration.de/publikationen/jahresgutachten-2021/


28.04.2021

MIDEM Policy Paper
Ansprüche auf Gesundheitsleistungen für Asylsuchende in Deutschland

Katja Lindner

Die Würde des Menschen ist unantastbar – wird dieses Gebot auch bei der gesundheitlichen Versorgung von Asylsuchenden in Deutschland eingehalten? Bei der Aufnahme von Asylbewerberinnen und Asylbewerbern kommt der Frage nach körperlicher und psychischer Ge­sundheit eine fundamentale Bedeutung zu. Gesundheit ist eine Bedingung erfolgreicher Integration in die Gesellschaft. Die gesundheitliche Versorgung ist geregelt durch das bundesdeutsche Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG). Die Bundesregierung sieht allein die Länder in der Verantwortung für die Interpretation und Umsetzung des AsylbLG. Dabei kommt sie bei der Frage der Gesundheitsversorgung von Asylsuchenden jedoch ihren eigenen Hausaufgaben nicht nach: Seit 2015 ist in Deutschland zwingend die EU-Aufnahmerichtlinie von 2013 umzusetzen. Dies hat Auswirkungen auf die medizinische Versorgung von Asylsuchenden. So bleibt nur die unmittelbare Rechtswirkung, die vor Gericht durchgesetzt werden kann. Die Pflicht zur Umsetzung der EU-Aufnahmerichtlinie von 2013 erhöht einen bereits bestehenden Reformdruck auf Bundesebene. Unbestimmte Rechtsbegriffe und eine unzureichende Berücksichtigung chronischer Erkrankungen im AsylbLG stehen seit längerer Zeit in der Kritik. Auch sind im bundesdeutschen AsylbLG weder die Leistungsansprüche besonders schutzbedürftiger Asylsuchender nach Definition der EU-Aufnahmerichtlinie geregelt, noch gibt es Hinweise zum Umgang mit erkrankten besonders schutzbedürftigen Asylsuchenden, die leistungsrechtlichen Sanktionen unterliegen. Hier aber bestehen verfassungsrechtliche Zweifel an der gegenwärtigen Praxis, weil mit den Sanktionsregelungen Fragen des menschenwürdi­gen Existenzminimums berührt sind. Das Policy Paper gibt einen Überblick über die rechtlichen Rahmen­bedingungen auf nationaler und supranationaler Ebene und weist unter Einbeziehung von wissenschaftlichen Forschungsbefunden Handlungsempfehlungen aus.

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15.04.2021

MIDEM Policy Paper
Arbeitsmigration während der Corona-Pandemie

Manès Weisskircher

„Der Spargel ist sicher“ – so heißt es. Aber wie steht es um die Sicherheit der Saisonarbeitskräfte? Die deutsche Landwirtschaft ist seit langem auf saisonale Arbeitsmigration aus Mittel- und Osteuropa angewiesen. Im Zuge der Corona-Pandemie stand dieses Modell auf dem Prüfstand. Zum ersten Mal wurden die Probleme der landwirtschaftlichen Arbeitsmigration öffentlich sichtbar und medial diskutiert. Vor allem die plötzliche Gefahr des Arbeitskräftemangels stand im Mittelpunkt der Debatte. Weniger war die Rede von den prekären Arbeits- und Wohnverhältnissen der mittel- und osteuropäischen Saisonarbeitskräfte, und die Frage ihres Schutzes in Zeiten der Pandemie blieb weitgehend unbeantwortet. Wiederholen sich jetzt, wo die Spargelernte ansteht, die Probleme des Vorjahres? Das aktuelle Policy Paper "Arbeitsmigration während der Corona-Pandemie. Saisonarbeitskräfte aus Mittel- und Osteuropa in der deutschen Landwirtschaft" bietet einen Überblick zur Diskussion der Erntehilfe in Deutschland.

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25.03.2021, Sächsische.de

CoronaCast: Wie gut werden wir regiert?

Im Podcast von Säsische.de analysiert MIDEM-Direktor Hans Vorländer die brisanten Entwicklungen der letzten Woche.

Steigende Infektionszahlen und ein bemerkenswerter Vorgang in der Politik prägen die aktuelle Corona-Lage in Deutschland. Während sich Inzidenzwerte alle zwei Wochen zu verdoppeln scheinen, versuchen Bund und Länder der sich abzeichnenden dramatischen Entwicklung irgendwie entgegenwirken. Die Idee der "Osterruhe" ist entstanden, die im Rückblick aber mehr Unruhe gebracht hat. Zu viel sei ungeklärt gewesen und hätte sich nicht schnell regeln lassen. "Es war mein Fehler", sagt Kanzlerin Angela Merkel und bittet bei ihrem Statement am Mittwoch in Berlin die Bevölkerung um Entschuldigung. Der Politikwissenschaftler, Hans Vorländer, beschreibt den Auftritt sinnbildlich in einem Wort, das Merkel zu früheren Anlässen prägend genutzt hat: "Alternativlos war es", so Vorländer im CoronaCast, dem Podcast von Sächsische.de zur Pandemie. Die Situation sei derart verfahren gewesen, dass ein Ausweg nur in einem großen Befreiungsschlag zu finden gewesen sei.

Vorländer analysiert im Podcast-Gespräch die Vorgänge, die zum schnellen Scheitern der "Osterruhe"-Pläne geführt haben. Bei aller Kritik daran schlussfolgert der Wissenschaftler jedoch auch, dass die Politik vor dem Hintergrund sinkender Zustimmung nun mutige Entscheidungen treffen müsse. "Es geht nicht mehr nur mit harten Lockdowns weiter. Das ist allen klar." Eine Perspektive sieht Vorländer in regional angepassten Öffnungsschritten in Kombination mit einer funktionierenden Test- und Impfstrategie. Außerdem gibt Vorländer in dem Podcast eine Einschätzung zur Krisenarbeit der sächsischen Regierung, insbesondere zur Zusammenarbeit zwischen Land und Kommunen. Es geht um das Tempo der Corona-Impfung, das schleppende Vorankommen bei der Teststrategie sowie die möglichen Folgen der aktuellen Entwicklungen auf den Ausgang der Bundestagswahl im September.

Hier können Sie den Podcast hören.

Hier finden Sie den gesamten Artikel der Sächsisch.de.


23.03.2021

Deutsche Lehrpläne halten mit der Realität der Einwanderungsgesellschaft nicht Schritt

Neue MIDEM-Studie zeichnet ein differenziertes Bild über die Bedeutung und Rolle von Migration und Integration in den Lehrplänen deutscher Schulen.

Die Themen Migration und Integration haben in den Lehrplänen deutscher Schulen Eingang gefunden, spiegeln allerdings die Realität der deutschen Einwanderungsgesellschaft nicht angemessen wider. Zu diesem Ergebnis kommt die neue Studie des Mercator Forum Migration und Demokratie, die im Auftrag der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Staatsministerin Annette Widmann-Mauz, verfasst wurde. Der Studie zufolge finden zentrale Etappen der jüngeren deutschen Migrationsgeschichte – von der Gast- und Vertragsarbeiteranwerbung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts über die Zuwanderung von sog. Spätaussiedlern bis hin zur Fachkräftemigration – nur selten Erwähnung. Dagegen werden Migrationsphänomene oft mit krisenhaften Entwicklungen wie Flucht und Vertreibung verknüpft. Damit steht die Darstellung der Migration und Integration in den Lehrplänen nicht im Zeichen gesellschaftlicher Normalität. Auch migrationsbedingte Vielfalt und Fragen nach Identität und Zugehörigkeit werden nur selten thematisiert.

„Dabei geht es bei der Bildung in einer vielfältigen Gesellschaft“, so MIDEM-Direktor Prof. Dr. Hans Vorländer, „auch um die Sichtbarmachung individueller und kollekti­ver Migrationsgeschichten. Migrationsbedingte Vielfalt ist längst Bestandteil unserer gesellschaftlichen Normalität. Die Zahl der Schülerinnen und Schüler mit einer familiären Einwanderungsgeschichte – auch aus den Staaten der Europäischen Union - wächst beständig.“

Aufgrund der Ergebnisse der Studie empfehlen die Autorin und die Autoren, Migration, Vielfalt und In­tegration in den Lehrplänen explizit und auf der Ebene der prüfungs­relevanten Sachinhalte zu verankern. Zudem sollte eine Einbindung von Lehrkräften mit Migrationsgeschichte und migrations­pädagogischen Fachdidaktikerinnen und -di­daktikern in den Prozess der Überarbeitung von Lehrplänen sichergestellt werden. Die Lehrplankommissionen der Länder sollten sich dabei bundesweit vernetzen und stärker in den Erfahrungsaustausch gehen.

Integrationsstaatsministerin Annette Widmann-Mauz: „Ein Viertel der Menschen in Deutschland hat eine Einwanderungsgeschichte. Diese Vielfalt gehört schon längst zum selbstverständlichen Alltag in den Schulen und Klassenzimmern. Wichtig ist, dass diese Vielfalt mit all ihren Chancen und Herausforderungen auch im Schulunterricht und in den Lehrmaterialien zum Thema gemacht wird. Wertvolle Hinweise, wie das gelingen kann, gibt die neue Lehrplanstudie Migration und Integration des Mercator Forum Migration und Demokratie.“

Im Rahmen der Studie führte das Mercator Forum Migration und Demokratie (MIDEM) eine umfassende Bestandsaufnahme der Lehrpläne durch. Hierfür wurden die Fächer Geographie, Geschichte und Politik/Gemeinschaftskunde der Klassenstufen sieben bis zehn der Länder Bayern, Berlin und Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen, sowie die Schulgesetze und einschlägigen Beschlüsse der Kultusministerkonferenz analysiert. Darüber hinaus wurden leitfadengestützte Interviews mit ausgewählten Expertinnen und Experten der Lehrplanentwicklung und der Lehrkräftefortbildung und - vor allem - den Lehrkräften selbst durchgeführt und ihre Perspektiven in die Studie mit aufgenommen. Die Ergebnisse der Interviews sind nicht repräsentativ, geben jedoch Einsicht in die unterschiedlichen Perspektiven auf Lehrpläne.

Die „Lehrplanstudie Migration und Integration“ wird am 21. April 2021 in einer Fachveranstaltung öffentlich vorgestellt. Sie liefert Handlungsempfehlungen, wie Lehrpläne diversitätssensibler gestaltet werden können und ihre Umsetzung in die schulische Praxis besser funktionieren kann. 

Die Anmeldung zum digitalen Fachgespräch "Lehrplanstudie Migration und Integration" per Mail.

Die Pressemitteilung kann hier heruntergeladen werden.


15.02.2021

Vom 09.-10. März 2021 findet die Frühjahrstagung der Sektion „Politische Theorie und Ideengeschichte“ zum Thema „Migration – Herausforderungen im Spannungsfeld von Theorie und Praxis“ statt. Die Tagung wird digital via Zoom durchgeführt und steht allen Interessierten offen, richtet sich jedoch besonders an Politiktheoretikerinnen und Politiktheoretiker.

Im Zuge der ‚Flüchtlingskrise‘ haben sich Politiktheoretikerinnen und Politiktheoretiker vermehrt Fragen der Migrationspolitik zugewandt und dabei sowohl Ursachen als auch Auswirkungen der Migration kritisch beleuchtet. Ziel dieser Tagung ist es, eine Zwischenbilanz zu ziehen und ein Forum für eine Diskussion von Fragen zu bieten, die an der Schnittstelle zwischen normativer Reflexion und empirischer Analyse liegen. Einer der Höhepunkte der Tagung wird das Gespräch zum Thema deutsche und europäische Migrationspolitik mit Bundesminister a.D. Dr. Thomas de Maizière.

Zur Veranstaltungsseite und dem Programm gelangen Sie hier.


Fachkommission Integrationsfähigkeit übergibt Bericht an Bundesregierung

20.01.2021

Am 20. Januar 2021 übergab die Fachkommission Integrationsfähigkeit, der auch der Direktor von MIDEM, Herr Professor Hans Vorländer angehört, ihren Bericht an die Bundesregierung. Die Ergebnisse von zwei Jahren intensiver Beratungen wurden im Zuge einer Pressekonferenz und im Anschluss im Rahmen einer Fachveranstaltung der Fachkommission der Öffentlichkeit vorgestellt.

Auf der Website finden Sie neben Informationen zur Fachkommission und weiteren Mitgliedern auch Informationen zum Bericht, Kurzfilme und Dokumente zum Download, u.a. den Bericht, die Kernbotschaften (in verschiedenen Sprachen) sowie die von der Fachkommission beauftragten Expertisen.


EMIGRATION IN EUROPA - Ergebnisse des MIDEM Jahresberichtes 2020

08.12.2020


08.12.2020

Pressemitteilung zum 3. MIDEM-Jahresbericht

Abwanderung innerhalb Deutschlands stärkt die AfD – Vom Wegzug ins Ausland können Rechtspopulisten in ganz Europa hingegen kaum profitieren

Neue MIDEM-Studie untersucht Auswirkungen von Ab- und Auswanderung auf Wahlerfolge rechtspopulistischer Parteien in Europa

Je stärker eine Region in Deutschland in den vergangenen drei Jahrzehnten von Abwanderung betroffen war, umso besser schneidet dort heute die AfD bei Wahlen ab. Zu diesem Ergebnis kommt die neue Studie des Mercator Forum Migration und Demokratie (MIDEM), die heute in Dresden veröffentlicht wird. Der Zusammenhang zwischen Abwanderung und AfD-Wahlergebnissen besteht unabhängig von anderen soziodemographischen und sozioökonomischen Faktoren wie Bevölkerungsdichte, Bruttoinlandsprodukt pro Kopf oder Arbeitslosenquote und ist in Westdeutschland sogar noch etwas stärker ausgeprägt als in Ostdeutschland. Für Ostdeutschland ist die zeitliche Dimension bemerkenswert: die erste Abwanderungswelle unmittelbar nach der Wiedervereinigung fällt deutlich weniger ins Gewicht als die Wegzüge nach der Jahrtausendwende.

„Dieses Ergebnis legt nahe, dass die Stärke der AfD auch mit den Verlustgefühlen der Zurückgebliebenen zu tun hat, die vor Ort die Folgen einer Ausdünnung der sozialen Infrastruktur spüren. Die damit verbundene Frustration kann sich die AfD zunutze machen“, bewertet MIDEM-Direktor Prof. Dr. Hans Vorländer diesen Befund.

Die diesjährige MIDEM-Studie zeigt aber auch: Nicht jede Form der Abwanderung wirkt in gleicher Weise. Von hohen Wegzugsraten ins Ausland etwa können rechtspopulistische Parteien in Europa kaum profitieren. Im Gegenteil: Dort, wo viele Menschen auswandern, schneiden Rechtspopulisten tendenziell schlechter ab. Offensichtlich wirkt sich der Wegzug ins Ausland anders auf das Wahlverhalten der Einheimischen aus als Umzüge innerhalb des Landes bzw. Abwanderung aus ländlichen Regionen in die Städte. Denkbar ist, dass die Erfahrung von innereuropäischer Mobilität ein wichtiger Faktor für den Abbau nationalistischer Vorurteile ist. Allerdings ist hier der Kontext entscheidend: In wirtschaftlich schwachen Regionen können hohe Auswanderungsraten rechten Parteien nämlich durchaus zu Stimmengewinnen verhelfen.

Die Forscherinnen und Forscher des Mercator Forum Migration und Demokratie (MIDEM) haben zudem untersucht, wie das Thema Emigration im politischen und medialen Diskurs jener EU-Länder behandelt wird, die von Auswanderung betroffen sind. Auffallend ist, dass Emigration selten gezielt politisiert wird.  

„Dass die europäische Binnenmigration bislang nicht als Treiber der Polarisierung dient, ist zu begrüßen. Innereuropäische Freizügigkeit und die durch sie ermöglichten Formen des Austauschs und der Begegnung gehören wesentlich zum europäischen Zusammenhalt, für den wir uns als Stiftung einsetzen. Daran zu erinnern ist gerade in Zeiten pandemiebedingt eingeschränkter Bewegungsfreiheit wichtig“, sagt Dr. Wolfgang Rohe, Geschäftsführer der Stiftung Mercator.

In mittel-, ost- und südeuropäischen Ländern greifen Parteien das Thema Auswanderung eher selten auf. Anders als das Thema Einwanderung polarisiert Auswanderung die europäischen Parteienlandschaften kaum. Wenn sie es aufgreifen, wird Auswanderung über Parteigrenzen hinweg meist als soziales und ökonomisches Problem dargestellt. Linke Parteien prangern dabei insbesondere die hohe Arbeitslosigkeit und prekäre Arbeitsverhältnisse an, die junge Menschen zur Emigration bewegen. Rechte Parteien sehen die Ursachen der Auswanderung nicht nur in der Verschlechterung der wirtschaftlichen Grundlagen, sondern auch in der Veränderung politisch-kultureller Orientierungen in ihren Gesellschaften.

Die Pressemitteilung kann hier heruntergeladen werden.


Aktuelle Medienbeiträge

05.05.2021, FAZ
Verschwinden die Querdenker mit der Pandemie?
Podcast mit Hans Vorländer

03.05.2021, NDR
Vorländer: Maaßen steht für das alte, konservative CDU-Milieu
Interview mit Hans Vorländer

29.04.2021, SWR2
Migration als Problem: Im Schullehrplan wird Zuwanderung vor allem mit Krisen verbunden
Interview mit Hans Vorländer

22.04.2021, Der Standard
Sozialdemokratie in Osteuropa - ein Auslaufmodell?

22.04.2021, Bildungsklick
Vielfalt in Schulklassen zum Thema machen

11.04.2021, Ostthüringer Zeitung
Nach geplatztem Corona-Gipfel: Was die Kanzlerin nun plant
mit Statements von Hans Vorländer

Weitere Medienbeiträge finden Sie hier.


Mercator Forum Migration und Demokratie

In den letzten Jahrzehnten hat sich die demographische Zusammensetzung der europäischen Gesellschaften durch Zuwanderung deutlich gewandelt. Die Zahl der Einwanderer ist in Europa spürbar gewachsen, und insbesondere in den vergangenen drei Jahren hat das Thema Migration in den Gesellschaften Europas zu neuen politischen Polarisierungen geführt. Die politischen und sozialen Herausforderungen dieser Entwicklung sind noch nicht absehbar. Notwendig sind Untersuchungen, die den Zusammenhang zwischen Migration und Demokratie erforschen.

Das Mercator Forum für Migration und Demokratie (MIDEM) fragt danach, wie Migration demokratische Politiken, Institutionen und Kulturen prägt und zugleich von ihnen geprägt wird. Untersucht werden Formen, Instrumente und Prozesse politischer Verarbeitung von Migration in demokratischen Gesellschaften – in einzelnen Ländern und im vergleichenden Blick auf Europa.

MIDEM ist ein Forschungszentrum der Technischen Universität Dresden, gefördert durch die Stiftung Mercator. Es wird von Prof. Dr. Hans Vorländer, TU Dresden, geleitet.

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